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Presse
 

18.10.2006 Stimmungsaufschwung im rheinisch-westfälischen Mittelstand

  • Geschäftslage: besser als zu Jahresbeginn
  • Kostendruck: weiter zunehmend
  • Investitionen: Budgets ausgeweitet
  • Arbeitsmarkt: langsam einsetzende Erholung

Düsseldorf, 18. Oktober 2006. Die Stimmung im Mittelstand hat sich in den letzten Monaten abermals verbessert. Das von der WGZ BANK in Zusammenarbeit mit ihren Mitgliedsbanken, den Volksbanken und Raiffeisenbanken im Rheinland und in Westfalen halbjährlich ermittelte Stimmungsbarometer klettert um 4,8 Zähler auf einen aktuellen Stand von 108,3 Punkten. Das ist der höchste Wert seit nunmehr 15 Jahren. An der Unternehmensbefragung haben sich mehr als 1.300 mittelständische Unternehmer aus Nordrhein-Westfalen beteiligt. Hans-Bernd Wolberg, für das Geschäft mit den mittelständischen Firmenkunden zuständiges Vorstandsmitglied der WGZ BANK: "Ungeachtet des mitunter kontraproduktiven Handelns der Bundesregierung ist das dynamische globale Wachstum nunmehr auch in Nordrhein-Westfalen angekommen."

Arbeitsmarkt: langsam einsetzende Erholung

Im rheinisch-westfälischen Mittelstand überwiegt erstmals seit 2001 wieder der Anteil von Mitarbeiter einstellenden Unternehmen den Anteil von Personal entlassenden Unternehmen. Jedes vierte Unternehmen (25%) konnte den Personalbestand im ersten Halbjahr 2006 ausbauen, während jedes Siebte bis Achte (13%) die Zahl seiner Arbeitskräfte reduzierte. In allen Branchen haben mehr Unternehmen Mitarbeiter eingestellt als freigesetzt, mit Ausnahme der Gebrauchsgüterindustrie, wo sich beide Werte die Waage halten. Im zurückliegenden Vergleichszeitraum überstiegen die entlassenden Unternehmen (20%) noch die Zahl der Unternehmen, die Personal einstellten (19%).

Die Personalplanungen für die nächsten Monate sind per saldo positiv und lassen auf eine weitere Erholung der angespannten Arbeitsmarktlage hoffen. Insgesamt planen 13% der mittelständischen Unternehmen eine Aufstockung des Personalbestands, 9% einen Personalabbau. Die Mehrzahl der Unternehmen geht von einer gleich bleibenden Beschäftigtenzahl aus.

Geschäftslage: besser als zu Jahresbeginn

Die Geschäftslage hat sich in den vergangenen Monaten in allen Branchen verbessert und liegt per Saldo über den zu Jahresbeginn geäußerten Erwartungen. Aktuell bezeichnet jeder zweite Unternehmer seine Geschäftslage als gut (41%) oder sehr gut (9%). Besonders zufrieden sind die Investitionsgüterhersteller, die nicht nur von der anhaltend hohen Exportnachfrage profitieren, sondern auch von zunehmenden Inlandsorders. Deutlich zulegen konnte auch das Bau- und Ausbaugewerbe, dessen Stimmungsbarometer im Branchenvergleich mit 13,3 Punkten den größten Zuwachs verzeichnet. In den kommenden Monaten erwartet branchenübergreifend jeder dritte befragte Mittelständler (34%) eine Verbesserung seiner Geschäftslage. Lediglich 4% rechnen mit einer Verschlechterung der Geschäftslage. Damit liegen die Erwartungen zur weiteren Geschäftsentwicklung auf dem gleichen Niveau wie vor einem halben Jahr.

Kostendruck: weiter zunehmend

Der auf den Unternehmen lastende hohe Kostendruck hat sich nach Aussage jedes dritten Mittelständlers (32%) weiter verstärkt. In allen Branchen melden mehr Unternehmen zunehmende als rückläufige Kosten. Einzige Ausnahme ist der Gebrauchsgütersektor: In dieser Branche verzeichneten mehr Betriebe eine positive (18%) als eine negative (15%) Kostenentwicklung. Die kommenden Monate versprechen keine wesentliche Veränderung: Rund 90% der mittelständischen Unternehmen erwarten keine Entspannung auf der Kostenseite.

Positiver als die Kosten haben sich die Preise für die befragten Unternehmen im ersten Halbjahr dieses Jahres entwickelt. Erstmals überwiegt branchenübergreifend wieder der Anteil der mittelständischen Unternehmen, die Preiserhöhungen durchsetzen konnten (27%), den Anteil derer, die ihre Verkaufspreise senken mussten (8%). Der Preisentwicklung in den kommenden Monaten sehen die Unternehmer optimistisch entgegen: 27% erkennen Möglichkeiten zu Preiserhöhungen, nur jeder zwanzigste Unternehmer (5%) befürchtet, die Verkaufspreise senken zu müssen. In Folge der durchgesetzten höheren Verkaufspreise entwickeln sich die Erträge der mittelständischen Unternehmen besser als noch vor sechs Monaten. Branchenübergreifend berichtet rund ein Drittel der Unternehmer (32 Prozent) von einer guten Ertragssituation, weitere 3% bezeichnen ihre Erträge als sehr gut.

Investitionen: Budgets ausgeweitet

In den ersten Monaten dieses Jahres hat jedes vierte Unternehmen (25%) seine Investitionen ausgeweitet, 18% haben diese gesenkt. Damit wurden die Investitionsbudgets in mehr mittelständischen Unternehmen erhöht als reduziert. Insbesondere Hersteller von Investitions- und Vorleistungsgütern investierten kräftig, nicht zuletzt aufgrund eines hohen Ersatzbedarfs. Die mittelfristigen Planungen der Unternehmen lassen eine weiter steigende Investitionsbereitschaft erkennen. Annähernd jeder dritte Mittelständler (31%) will bis Ende 2007 verstärkt investieren. Dabei will die Mehrheit der Unternehmen (80%) ihr derzeitiges Investitionsvolumen um bis zu 25% erhöhen; jedes fünfte Unternehmen (20%) plant Investitionssteigerungen von mehr als 25%. Die Bedeutung der Investitionsschwerpunkte verschiebt sich zu Gunsten der wachstumswirksamen Erweiterungsinvestitionen, die 28 Prozent der Unternehmen vornehmen wollen. Der regionale Schwerpunkt der Investitionstätigkeit liegt bei 93% der Unternehmen in Deutschland.

Die geplanten Investitionen wollen 51% der Unternehmen in erster Linie aus dem selbst erwirtschafteten Cash Flow finanzieren. Die klassische Darlehensfinanzierung kommt für 49% der Mittelständler in Betracht, während Leasing für annähernd jedes dritte Unternehmen (31%) eine Finanzierungsalternative darstellt. Bei der Wahl des Fremdfinanzierers ist der Preis aus Sicht der befragten Unternehmen das Hauptkriterium (55%), gefolgt von der Beratungsqualität (39%) und der bestehenden Bindung an die Hausbank (38%). Die Produktqualität bezeichnet jeder fünfte mittelständische Unternehmer (20%) als ein entscheidendes Kriterium für die Wahl des Finanzierungspartners.

Diejenigen Unternehmen, die in den kommenden Monaten keine Ausweitung ihrer Investitionsaktivitäten planen (69%), nennen als Hauptgründe fehlenden Bedarf (45%) und unsichere Marktaussichten (33%). Für jedes zehnte Unternehmen (10%) ist die restriktive Kreditvergabepraxis der Banken ein Grund, die Investitionen vor-erst nicht zu erhöhen.




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