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Presse
 

22.10.2008 Mittelstand in NRW befürchtet Lohn-Preis-Spirale

  • Steigende Energie- und Rohstoffkosten belasten Unternehmen
  • Baldige Konsumbelebung unwahrscheinlich
  • Jeder dritte Unternehmer bewertet Tarifabschlüsse als zu hoch
  • Unternehmer hinsichtlich Inflationsentwicklung weniger pessimistisch als Privatpersonen

Düsseldorf, 22. Oktober 2008: „Die hohen Energie- und Rohstoffpreise sind derzeit das größte Problem im nordrhein-westfälischen Mittelstand“, so Hans-Bernd Wolberg, Vorstandsmitglied der WGZ BANK. Dies ist das Ergebnis einer im August durchgeführten Befragung von über 1.300 mittelständischen Unternehmen zu ihrer Geschäftslage und den Erwartungen für die Zukunft.

Jeder zweite Unternehmer (47%) sah sich in den vergangenen Monaten steigenden Energiepreisen ausgesetzt, 43% mussten beim Einkauf von Rohstoffen und Materialien einen deutlichen Preisaufschlag in Kauf nehmen. Während die Rohstoffkosten insbesondere viele Betriebe des Verarbeitenden Gewerbes (68%) und des Bau- und Ausbaugewerbes (46%) belasten, bereiten die Energiepreise dem Handel (47%) und der Dienstleistungsbranche (48%) die größten Sorgen.

Steigende Kosten werden über Preiserhöhungen weitergegeben

In Folge der Preissteigerungen hat sich der Kostendruck verstärkt. Fast jeder zweite Unternehmer (45%) berichtet von einer Verschlechterung der Kostensituation. Lediglich jeder Neunte (11%) meldet eine positive Entwicklung. Die Mehrheit der Unternehmer (61%) erwartet auch in den kommenden Monaten keine nennenswerte Verbesserung der Situation. Vielmehr rechnen 29% mit weiter steigenden Kosten.

Die Mehrkosten will jedes vierte Unternehmen (26%) über eine Erhöhung seiner Verkaufspreise an die Abnehmer weitergeben. Im ersten Halbjahr 2008 haben bereits 38% der befragten Unternehmen von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht. Dennoch bleiben negative Folgen für die Ertragslage der Unternehmen nicht aus: Mittlerweile beurteilt jeder fünfte Unternehmer (20%) die Erträge seines Unternehmens als unbefriedigend. In der letzten Unternehmensbefragung der WGZ BANK, die Anfang dieses Jahres durchgeführt wurde, lag der Anteil erst bei 16 Prozent.

Baldige Konsumbelebung unwahrscheinlich

Vor diesem Hintergrund und dem Ergebnis der Studie, dass die bisher vereinbarten Tarifabschlüsse in den meisten befragten Unternehmen nicht einmal die Inflationsrate ausgleichen, erscheint die vielfach erhoffte Konsumbelebung auf Seiten der Verbraucher fraglich. Die mittelständischen Unternehmer selbst rechnen jedenfalls nicht damit, dass die diesjährigen Tarifabschlüsse höhere Konsumausgaben erlauben werden (84%). Neun von zehn Unternehmern (89%) sind der Meinung, die Inflation zehre den Großteil der Lohnerhöhungen auf. Zudem vermuten 37%, dass die verunsicherten Verbraucher eventuelle Mehreinnahmen eher in den Sparstrumpf stecken als zum Einkauf von Gütern und Dienstleistungen verwenden werden.

Für ein Drittel der befragten Unternehmen (32%) ist in diesem Jahr bereits ein neuer Tarifabschluss vereinbart worden. In 61% dieser Betriebe wurden Gehaltssteigerungen von maximal 3% vereinbart. Bei 17% der neuen Tarifabschlüsse wurden Lohn- und Gehaltssteigerungen zwischen 3,1% und 3,5% fixiert, während in 22% der Betriebe die Gehälter um 3,6% und mehr steigen. Zum Vergleich: Die Inflationsrate hat sich im August nach einem kräftigen Rückgang des Ölpreises auf 3,1% abgeschwächt, nachdem sie in den Monaten Juni und Juli bei jeweils 3,3% gelegen hatte.

Mehrheit der Unternehmer befürchtet Lohn-Preis-Spirale

Die Mehrheit der befragten Unternehmer (54%) betrachtet die durchschnittliche Höhe der bislang erzielten Tarifabschlüsse aus gesamtwirtschaftlicher Sicht als angemessen. Jeder Dritte meint allerdings, diese seien zu hoch (10%) oder eher zu hoch (23%) vereinbart worden. Dahinter steckt vielfach die Besorgnis einer in Gang kommenden Lohn-Preis-Spirale. So erscheinen Preiserhöhungen vielen Unternehmen (46%) – abgesehen von verstärkter Rationalisierung (39%) und Gewinneinbußen (41%) – als letzte wirksame Reaktion auf steigende Lohnkosten.

Dass die Kombination aus höheren Verkaufspreisen und Lohnerhöhungen in Deutschland bereits eine Lohn-Preis-Spirale in Gang gesetzt hat, befürchtet jeder vierte mittelständische Unternehmer (24%). Weitere 55% betrachten dies als sehr wahrscheinlich (18%) oder eher wahrscheinlich (39%).

Inflationserwartungen: Unternehmer weniger pessimistisch als Privatpersonen

Ein Drittel (34%) der mittelständischen Unternehmer erwartet, dass sich die Inflationsrate in den kommenden Monaten zwischen 3,0% und 3,3% – und damit ungefähr auf heutigem Niveau – bewegen wird. Mit einer Steigerung auf bis zu 4% rechnet ein weiteres Drittel der Befragten (31%), während lediglich jeder Elfte (9%) eine Teuerungsrate oberhalb der Marke von 4% befürchtet. Die Erwartungen für das Jahr 2009 sind insgesamt etwas zuversichtlicher: Die Hälfte der Unternehmer (50%) geht von einer Inflation von weniger als 3% aus. 32% erwarten eine Teuerung zwischen 3,1% und 4%. Eine Inflationsrate über 4% prognostizieren für 2009 lediglich 3% der Unternehmer.

Mit diesen Einschätzungen heben sich die mittelständischen Unternehmer deutlich ab von der Mehrheit der Bevölkerung. Eine im Auftrag der WGZ BANK von der GfK im Juni durchgeführte, repräsentative Befragung von 1.000 Bundesbürgern hatte die Inflationsangst als eine der gegenwärtig größten Sorgen der Deutschen identifiziert: So befürchten vier von zehn Befragten (40%), im weiteren Jahresverlauf eine Steigerung der Inflationsrate auf mehr als 4%.



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