WGZ BANKEine Studie der WGZ BANK skizziert eine mögliche Stabilisierung des Euro als einen Marathonlauf. Die Zwangsverwaltung Griechenlands unter der Aufsicht des IWF berge die Chance, dass der bisher mit Füßen getretene Stabilitätspakt des Euro mit Leben gefüllt werden könne. Da die bisher vorgegebenen Grenzen der Neu- und der Gesamtverschuldung von 3 % und 60 % insbesondere von Griechenland bereits weit überschritten wurden, könne eine Rückkehr auf den Pfad der Tugend jedoch nicht über Nacht bewerkstelligt werden. Der mit der Zwangsverwaltung beschrittene Weg sei nicht als ein Sprint, sondern als ein echter Marathon zu verstehen. Für die weitere Entwicklung des Euro-Raumes formulieren die Kapitalmarktexperten der WGZ BANK fünf Thesen:
Eine Weginflationierung der Staatsverschuldung wie in Großbritannien in den 70er Jahren geschehen, ist nicht zu erwarten, da die heutigen Notenbanken möglichen Inflationsbegehrlichkeiten der Regierungen einen Riegel vorschieben dürften. Bleibt reales Wachstum und Sparen als Ausweg aus der Schuldenfalle.
An einer Rückführung der aktuellen Defizite führt kein Weg vorbei. Die aktuellen Haushaltsspielräume sind aufgrund der demografischen Entwicklung sowie geringerer Privatisierungspotenziale jedoch begrenzt, so dass weiterhin mit Budgetdefiziten zu rechnen ist. Die Stagnation der Bevölkerungsentwicklung in den meisten Industrieländern wird zudem das zukünftige potenzielle Wirtschaftswachstum dämpfen. Ein durch starkes reales Wachstum getriebener Schuldenabbau (wie in den Niederlanden, Belgien und Dänemark in den 90er Jahren) ist daher nicht zu erwarten.
Damit die griechische und andere europäische Volkswirtschaften auf einen Pfad der Tugend finden, bedarf es grundlegender Veränderungen. Die Ausgaben (z.B. Rentenansprüche) müssen reduziert, die Steuern erhöht und deren Zahlung auch durchgesetzt werden. Solche Maßnahmen sind ebenso notwendig wie unpopulär. Zudem erfordern solche grundlegende Veränderungen eine entsprechende Konsequenz und einen langen Atem. Beide Tugenden haben insbesondere die griechischen politischen Akteure in der Vergangenheit kaum an den Tag gelegt. Deshalb wird eine konsequente Umsetzung eines „Blut-, Schweiß- und Tränen-Kurses“ nur unter Druck möglich sein.
Die Voraussetzungen für eine schnelle Rückführung der Staatsverschuldungsquoten sind nicht gegeben. Für die nächsten Jahre ist zunächst ein weiterer Anstieg zu erwarten und erst im weiteren Verlauf eine Stabilisierung des Anteils der Staatsverschuldung am BIP für den Euroraum als Ganzes. Eine Rückführung unter die 60 %-Schwelle liegt für die meisten Euro-Länder aber derzeit noch in weiter Ferne. In Griechenland ist sogar zunächst ein Anstieg auf über 160 % wohl kaum vermeidbar.
Ein langer und schmerzhafter Konsolidierungsprozess steht bevor, wobei die staatlichen Finanzen bei einer erneuten wirtschaftlichen Schwäche sehr anfällig bleiben. Anders als in den Industriestaaten (Euro-Raum, USA, Großbritannien, Japan) bleibt es in den Schwellenländern vergleichsweise ruhig. Eine neue Rangordnung der Länder wird nicht nur an der demographischen Entwicklung, dem Wirtschaftswachstum, sondern auch an der Bonität deutlich. Schon bald könnte auch die langfristige Bonität der USA, Großbritanniens, Japans und Deutschlands kritisch hinterfragt werden.