WGZ BANKDüsseldorf, 29. November 2010: Die Qualität der Bilanzen im Mittelstand hat sich ungeachtet der Wirtschaftskrise weiter verbessert. Damit wurde der seit sieben Jahren anhaltende Trend zur Verbesserung der Bilanzqualität weiter fortgesetzt. Überraschenderweise konnten die mittelständischen Unternehmen auch während der Wirtschaftskrise ihre Eigenkapitalquote weiter steigern. Dies ist das Ergebnis einer Auswertung von über 50.000 Bilanzen durch die Universität Münster (Lehrstuhl für BWL, insbesondere Controlling) im Auftrag der WGZ BANK. Betrug der Indexwert der für das Jahr 2002 erstellten Bilanzen erst 92,1 Punkte, erreichen die im Jahr 2010 vorgelegten Bilanzen den Wert von 109,9 Punkten (Vorjahr 108,4 Punkte). Zur Ermittlung des Indexes haben die Bilanzexperten die Eigenkapitalquote, die Gesamtkapitalrentabilität sowie weitere wesentliche Finanzkennzahlen herangezogen. Thomas Löcker, Leiter des Bereichs Firmenkunden der WGZ BANK: „Die verbesserte Bilanzqualität ist insbesondere auf ein optimiertes Liquiditätsmanagement zurückzuführen. Der geringere Fremdkapitaleinsatz verbesserte den Gesamtkapitalumschlag und führte zugleich zu einer höheren Eigenkapitalquote.“
Stark verbessert zeigt sich die Bilanzqualität im Kraftfahrzeughandel mit einem Wert von 92 Punkten (nach 75 im Vorjahr). Löcker: „Die Abwrackprämie hat hierzulande den Automobilverkauf kräftig angekurbelt.“ Auch der Großhandel sowie der Facheinzelhandel profitierten von der stabilen Entwicklung der Binnennachfrage. Dagegen haben sich die Bilanzen der Kfz-Zulieferer erwartungsgemäß auf 71 Punkte (Vorjahr 78 Punkte) verschlechtert. Bereits im Vorjahr hatte diese Branche einen starken Einbruch hinnehmen müssen. Löcker: „Zu dem seit vielen Jahren beobachteten Preisdruck der großen Kfz-Hersteller kam noch der Einbruch der weltweiten Automobilnachfrage hinzu.“ Auch der Maschinenbau sowie die Hersteller von Kunststoff- und Metallerzeugnissen wurden vom weltweiten Konjunktureinbruch getroffen. Im nächsten Jahr erwartet Löcker eine Umkehr dieser Entwicklung: „Insbesondere die Hersteller von Investitionsgütern dürften 2011 von der boomenden Exportnachfrage beflügelt werden.“
Die höchste Bilanzqualität weisen die Energieversorger mit 134 Punkten auf (nach 111 Punkten im Vorjahr). Die umfangreiche staatliche Förderung alternativer Energien gestattete auch den Versorgern ihre Eigenkapitalquote wieder zu verbessern. Die ungünstigste Bilanzqualität weisen dagegen die Unternehmen im Hoch- und Tiefbau aus. Die rückläufigen staatlichen Infrastrukturinvestitionen sowie die geringe private Bautätigkeit belasten diese Branche bereits seit vielen Jahren.
Nach dem krisenbedingt zurückgeführten Fremdkapitaleinsatz prognostiziert die WGZ BANK für das kommende Jahr eine weitere moderate Verbesserung der Bilanzqualität im Mittelstand. Löcker: „Die bereits eingeleiteten Maßnahmen zur Steigerung der Effizienz werden ihre volle Wirkung entfalten. Vor dem Hintergrund der belebten Exportnachfrage und der leicht verbesserten Binnenkonjunktur dürften viele Unternehmen auch wieder stärker investieren.“ Angesichts der Schärfe des konjunkturellen Einbruchs haben die Mittelständler die Bedeutung einer hohen Bilanzqualität erfahren. „Viele Mittelständler haben nicht nur ihre Unternehmen erfolgreich auf den Markt ausgerichtet, sondern auch mit großem Geschick den Konjunktureinbruch abgefedert und nunmehr gute Aussichten, mit einer soliden Bilanz die sich bietenden Chancen zu nutzen“, so Löcker.
Insbesondere die komfortable Eigenkapitalausstattung und die hohe Liquidität versetzen viele Unternehmer in die Lage, die notwendigen Investitionen aus eigener Kraft schultern zu können. Die 2002 noch schwache Eigenkapitalausstattung von 17,4 Prozent erreicht nunmehr international beachtliche 29,8 Prozent. Löcker: „Die gute Eigenkapitalausstattung bietet der mittelständischen Wirtschaft eine solide Basis für erforderliche Investitionen.“
Die Experten der Universität Münster haben den Bilanzqualitätsindex aus fünf Kennzahlen der Jahresabschlüsse ermittelt, die gleich gewichtet wurden.
Eigenkapitalquote: Je höher die Eigenkapitalquote ist, desto besser können zeitweilige Verlustphasen überstanden werden.
Gesamtkapitalrentabilität: Je höher die Rentabilität des gesamten eingesetzten Kapitals ist, desto effizienter geht das Unternehmen mit dem Kapital um.
Gesamtkapitalumschlag: Je schneller das eingesetzte Kapital umgesetzt wird, umso besser kann das Unternehmen mit seinem Kapital neue Umsätze generieren.
Liquidität 2ten Grades: Je höher die Liquidität 2ten Grades ist, desto leichter können kurzfristige Verbindlichkeiten bedient werden.
Dynamischer Verschuldungsgrad: Je niedriger der dynamische Verschuldungsgrad ausfällt, desto besser kann das Unternehmen seine Schulden aus dem Cashflow tilgen.