WGZ BANKDüsseldorf, 24. März 2011. Die Stimmung in den mittelständischen Unternehmen hat sich im laufenden Jahr weiter verbessert. So kletterte das Stimmungsbarometer, das die WGZ BANK mit den Volksbanken und Raiffeisenbanken im Rheinland und in Westfalen halbjährlich ermittelt, von 111,3 Punkten auf 112,0 Punkte. Damit wurde der höchste Stand seit 20 Jahren erreicht. „Die mittelständischen Unternehmen profitieren neben den lebhaften Exporten nun auch von zunehmenden Investitionen sowie vom privaten Konsum“, so Thomas Löcker, Leiter des Bereichs Firmenkunden der WGZ BANK.
Die 1.000 befragten mittelständischen Unternehmer aus Nordrhein-Westfalen beurteilen ihre aktuelle Geschäftslage nochmals positiver als vor einem halben Jahr. Mehr als jeder zweite Mittelständler bewertet seine Situation mit gut (45%; vormals: 45%) oder sehr gut (11%; vormals: 9%). Unzufrieden zeigten sich abermals lediglich 8% der Befragten. Auch die Geschäftsaussichten haben sich verbessert. Nach 39% im Vorjahr blicken nun 42% der mittelständischen Unternehmer optimistisch in die Zukunft. Die Zahl der Pessimisten stieg marginal von 4% auf 5%.
Die positive Tendenz ist in fast allen Branchen zu beobachten. Im Verarbeitenden Gewerbe, im Handel und bei Dienstleistern hellte sich die Stimmung weiter auf, wobei das Barometer im Handel am stärksten, um zwei volle Punkte auf 110,8 Punkte zulegte. Damit profitieren inzwischen auch die eher binnenwirtschaftlich orientierten Unternehmen von der Aufwärtsbewegung, die vor einem Jahr im exportorientierten Verarbeitenden Gewerbe startete. Das Klima im Bau- und Ausbaugewerbe hingegen kühlte sich saisonal bedingt wieder ab. Hier verlor der Index 2,6 Zähler auf 110,1 Punkte. Im langjährigen Durchschnitt ging der Stimmungsindex im Baugewerbe im Winter typischerweise stärker, nämlich um 4,3 Punkte zurück.
Der Mittelstand trägt in einem erheblichen Umfang zu der guten Arbeitsmarktentwicklung im Rheinland und in Westfalen bei. Aktuell erhöhte mehr als jedes vierte Unternehmen (27%) seinen Personalbestand, fast jedes Zehnte (9 %) reduzierte seine Beschäftigtenzahl. In der letzten Umfrage traf dies auf 28% bzw. 13% der Unternehmen zu. Vor allem im Bau- und Ausbaugewerbe ist die Zahl der Mitarbeiter einstellenden Unternehmen stark gestiegen.
Für die kommenden Monate zeigen die Personalplanungen eine weiterhin positive Tendenz. Jeder fünfte befragte Mittelständler (20%) will zusätzliches Personal einstellen. Lediglich 9% erwarten eine sinkende Beschäftigtenzahl. Die meisten Neueinstellungen beabsichtigen branchenübergreifend die Vorleistungs- und Investitionsgüterbetriebe. In dieser Branche planen 28% der Unternehmen eine Erhöhung und 7% eine Senkung ihrer Beschäftigtenzahl. Jedes vierte Unternehmen sieht dabei, wie schon im letzten Sommer, den Facharbeitskräftemangel als ein ernsthaftes Problem.
Der wirtschaftliche Aufschwung zeigt sich in der zunehmenden Investitionsbereitschaft der Mittelständler. Insbesondere die Zahl der Unternehmen, die Investitionen kürzen, ist rückläufig (14%; vormals: 19%), während mit 27% ähnlich viele Befragte wie vor sechs Monaten ihre Investitionen erhöhten (vormals: 26%). Die Investitionstätigkeit hat sich insbesondere in Bau- und Ausbaubetrieben spürbar verbessert. Die investierenden Unternehmen ersetzen überwiegend (62%) bestehende Anlagen. Allerdings ist dieser Anteil um 5 Prozentpunkte gesunken. Die Zahl der Firmen mit Erweiterungsinvestitionen stieg von 22% auf 26%.
Die Aussichten für die kommenden Monate sind erfreulich. Insgesamt will ein Viertel der befragten Unternehmen (26%; vormals 21%) die Investitionsausgaben aufstocken, während 18% (vormals 19%) die Investitionsbudgets kürzen wollen. Vor allem die wachstumswirksamen Erweiterungsinvestitionen sollen ausgedehnt werden. Nachdem dies in der letzten Umfrage lediglich 19% der Mittelständler geplant hatten, sind es inzwischen 28%.
Trotz der wirtschaftlichen Belebung ist die Zahl der Unternehmen mit einer komfortablen Eigenkapitalquote rückläufig. Nachdem im Vorjahr 38% der Mittelständler über eine Eigenkapitalquote über 30% verfügten, melden dies nun 34% der Befragten. „In der Frühphase eines Aufschwungs kann das Eigenkapital oftmals nicht mit der Ausweitung des Geschäftsvolumens mithalten“, sagt Löcker. Immerhin weisen mehr Unternehmen Eigenkapitalquoten zwischen 20% und 30% auf (21%, vormals 16%). Mit einer Eigenkapitalquote von unter 10% sind aktuell 19% der Mittelständler ausgestattet (vormals: 22%). Vor allem die Bau- und Ausbaubetriebe (26%) besitzen nur ein solch geringes Eigenkapitalpolster.
In den kommenden Monaten wollen 37% der mittelständischen Unternehmen, ihr Eigenkapital aufstocken. Dies soll insbesondere durch Zuführungen aus dem Gewinn erfolgen.
Die Konkurrenzsituation bezeichnet mehr als jeder dritte Mittelständler erneut als das größte Problem (36%), obwohl dies nun auf weniger Befragte als noch vor sechs Monaten zutrifft (41%). Unter dem verschärften Wettbewerb leidet insbesondere die Handelsbranche (47%). Zum zweiten Problemfeld hat sich die Steuerbelastung entwickelt (34% nach 29%), was insbesondere die Dienstleister bemängeln. Ebenso häufig beklagen die Unternehmen die bürokratischen Auflagen (34%; vormals: 31%). Deutlich verschärft hat sich auch das Problem steigender Energiekosten. Nachdem in der letzten Befragung jeder Fünfte (21%) diese als zu hoch einstufte, sind es inzwischen 26%. Belastender wirken sich jedoch weiterhin die höheren Rohstoffpreise aus (32%). Relativ unbedeutend hingegen scheint die Problematik der Finanzierungsbedingungen zu sein, die lediglich 13% der Mittelständler für schwierig halten.